Grüne Gentechnik bedeutet größte Abhängigkeit der Landwirtschaft vom Produzenten sowie nicht abzuschätzende Risiken für Mensch, Natur und Umwelt.
02.07.2010
Der Bundesarbeitskreis Landwirtschaft, Tierschutz und Gentechnik der Ökologisch- Demokratischen Partei
(ÖDP) besteht auf einem uneingeschränkten Anbauverbot gentechnisch veränderter Pflanzen im Freiland zum
Schutz von Mensch und Natur.
Für den Menschen stellen derart veränderte Nahrungsmittel ein bisher völlig ungeklärtes Gesundheitsrisiko,
sowie deren Anbau eine neue Dimension der Abhängigkeit der Landwirte dar. Für die Natur bedeuten
gentechnisch veränderter Pflanzen einen beinahe uneingeschränkten Einsatz von Kunstdünger, Pestiziden und
Herbiziden auf Kosten von Umwelt und Artenvielfalt.
Aktueller Hintergrund der Forderung:
In sieben Bundesländern wurden auf einer Landwirtschaftsfläche von zwei- bis dreitausend Hektar illegal
gentechnisch verunreinigter Mais ausgesät, der mit in Deutschland und Europa nicht zugelassenem
herbizitresistentem Mais NK603 von Pioneer Hi-Bred verunreinigt war.
Unabhängige Untersuchungen haben festgestellt, dass beim Verzehr von NK603 gesundheitliche Schäden für
Mensch und Tier nicht ausgeschlossen sind.
Pioneer hat nach Recherchen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Ungarn den
Versuchsanbau betrieben. Das gentechnisch kontaminierte Saatgut wurde in Deutschland verkauft, obwohl das
Niedersächsische Landwirtschaftsministerium von dieser Verunreinigung (0,1%) wusste. Politisch zuständig:
Landwirtschaftsministerin Grotelüschen (CDU). Zunächst weigerte sich das Landwirtschaftsministerium die
notwendigen sachdienliche Auskünfte zu erteilen, dann schwieg auch der zwischenzeitlich ermittelte
Saatguthersteller (Pioneer Hi-Bred). Erst über einen Gerichtsbeschluss konnte Pioneer am 3. Juni zur
Offenlegung der diesbezüglichen Lieferlisten veranlasst werden. Wertvolle Zeit, die eine Aussaat des
verunreinigten Saatguts verhindert hätte, ging durch die Verweigerungshaltung des Niedersächsische
Landwirtschaftsministerium und Pioneers verloren.
Derzeitiger Sachstand: Bis auf Flächen in Bayern und Niedersachsen wurde der Umbruch in den letzten Woche,
(hoffentlich rechzeitig vor der Blüte!) veranlasst.
Der BAK Landwirtschaft, Tierschutz und Gentechnik der Ökologisch- Demokratischen Partei (ÖDP) fordert, den
sofortigen Umbruch auf allen verbliebenen Landwirtschaftsflächen anzuordnen. Wie die Arbeitsgemeinschaft
bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die Imkerverbände, Naturschutzverbände, u. a. fordern wir: Kein
gentechnisch-verunreinigtes Saatgut zuzulassen! Die Gen-Technologie wird von einer deutlichen Mehrheit in
der Bevölkerung (ca. 85 Prozent wollen kein Genfood auf ihrem Teller) abgelehnt. Durch Ignoranz von
Behörden z. B. darf sich diese Technologie nicht etablieren und letztlich Verbraucher und Landwirt vor
vollendete Tatsachen stellen. Wenn aktuell der Bauerverbandspräsident Sonnleitner zur EU-Agrarreform 2013
geringfügige gentechnische Verunreinigungen als unvermeidbar erklärt haben will, wird auch hoffentlich dem
letzten der 85 Prozent Gentechnikskeptikern deutlich, dass die seit Anbeginn von der ÖDP erhobene
Forderung heute dringlicher ist als je zuvor.
Wegen des derzeit noch lückenhaften "Gentechnikgesetzes" (gegen das Sachsen-Anhalt mit einer
schwarz/gelben Landesregierung sogar noch klagt, weil es ihr zu weit geht), ist eine Entschädigung der mit
einer NK603-Verunreinigung betroffenen Landwirte völlig ungeklärt.